Realität und Träumereien - Interstellare Reisen
Mai 18th 2008 @ 6:02 pm Allgemein

reisen>Es überrascht immer wieder, mit welcher
Hartnäckigkeit an der Idee
>festgehalten wird, mit Raketenantrieben interstellare Reisen
>durchzuführen.

Wenn wir nicht von Perry-Rhodan-Antrieben (reine Träumereien)
ausgehen
und trotzdem in der Raumfahrt soweit kommen wollen, daß wir zu
anderen
Sternen aufbrechen, bleiben gegenwärtig keine anderen
Alternativen.

>Ein paar einfache Rechnungen zeigen, daß selbst bei der
Verfügbarkeit
>der Kernfusion für solche Antriebe die erreichbaren
Geschwindigkeiten >so winzig sind, daß derartige Reisen auf
diese Weise nicht praktikabel
>sind.

Da seinen aber Eugen Sänger und Prof. Harry O. Ruppe anderer
Meinung als Du zu sein. Erster ist zwar tot und zweiterer nicht mehr
der Jüngste, trotzdem kenne ich nur wenige, die kompetenter in
Raumfahrtfragen sind, als die beiden. Eugen Sänger beschrieb in
seinem Buch “Raumfahrt heute, morgen, übermorgen” auch eine
Raumschiff mit Photonenantrieb, daß per Rückstoß in
die Geschwindigkeiten vorstieß, so daß relativistische
Effekte deutlich auftraten. Dadurch ist es möglich in etwa 10
Jahren andere Sternensysteme zu erreichen. Prof. Ruppe beschrieb in
einem seiner beiden Raumfahrt-Bücher, die im Econ-Verlag
erschienen sind (Titel ist mir leider entfallen), ein Konzept, das die
Britisch Interplanetary Society entworfen hat: Beim Daedalus-Projekt
sollte per Kernfusionsantrieb 10 % der Lichtgeschwindigkeit erreicht
werden können. Dadurch könnten wir in etwa 20 bis 30 Jahren
ein anderes Planetensystem erreichen.
Trotz des Rückstoßansatzes sind die Technologien für
Sternenreisen noch weit weg von der Realisierung (etwa 100 Jahre). Wir
sollten deshalb den Leuten nicht irgendwelche Fantasieantriebe
vorstellen, sondern unseren Mond und unser Planetensystem
erschließen (Mond- und Marsbasis, eventuell Besiedlung des Mars)
mit dem was wir haben. Sonst geht der Schuß nach hinten los, wenn
uns die Öffentlichkeit sagt: “Wir warten lieber ein paar
Jahrzehnte, bis die neuen Antriebsverfahren serienreif sind. Dann geht
ja alles viel leichter!”
>In Anbetracht dessen, mit welchem gigantischen finanziellen
Aufwand
>heute daran gearbeitet wird, aus den konventionellen
Raketenantrieben
>noch ein paar Promille mehr Leistung herauszukitzeln,
enttäuscht diese
>konventionelle Schulbuchwissenschaft besonders.

Bin auch dafür, daß wir die Technik einfrieren und endlich
in den Weltraum fliegen, anstatt ständig an den Antrieben und
Trägersystem herumzubasteln. Allerdings wird nicht mehr Geld
investiert, als für
die Entwicklung einer Hinterachse bei Daimler-Benz oder BMW (ca. 1 bis
2 Mrd. DM).
>Genauso, wie man damals diskutiert hat, ob man mit Raketen
überhaupt
>ins Weltall fliegen kann, weil es doch da keine Luft gäbe, an
der man >sich abstoßen kann, wird man eines Tages diskutieren
müssen, ob man
>überhaupt etwas ausstoßen muß, um sich fortbewegen
zu können oder ob
>nicht so etwas wie der von den Schulbuch-Fundamentalisten so
belächelte >Warp-Antrieb eine genauere Betrachtung verdient.

Das war genau das Problem in den 20er Jahren. Die meisten aus der
Raketengruppe um Wernher von Braun träumten von gigantischen
Raumschiffen, die Menschen durch’s Weltall beförderten, wie damals
die Ozeandampfer die Menschen von Europa nach Amerika brachten. Sie
hatten nur keine reale Vorstellung WIE sie diese Raumschiffe
realisieren sollten. Diese Träumer rümpften über das
Wehrbeschaffungsamt die Nase, als diese verlangten, daß sie
wissenschaftlich arbeiten sollten und Meßergebnisse abliefern
sollten, wenn sie Geld haben wollen.
Einer der wenigen, die auf vorhandene Technik und Wissenschaft bauten
und einen (kleinen) Schritt nach dem anderen setzten wollten war
Wernher von Braun. Unter seiner Leitung entstand die A4 (Deutschlands
V2) und die Apollo-Mondrakete. Auf seinem Prizip basieren die
größten Erfolge der Raumfahrt. Ohne dieses Prinzip
hätten wir noch keinen Erdsatelliten und erst recht keinen
Menschen auf dem Mond. Fast alle würden statt dessen behaupten,
daß Raumfahrt überhaupt nicht (oder nur unbemannt)
funktioniere.
>Bereits seit ca. 80 Jahren (siehe Pauli und Levi-Civita) ist
bekannt,
>wie elektromagnetische Felder Raum und Zeit krümmen und man
kann sie
>ja bekanntlich nach eigenem Belieben formen und jederzeit ein- und
>ausschalten. Da heute unsere mathematischen Methoden und Werkzeuge
um
>Größenordnungen leistungsfähiger sind als vor
diesen 80 Jahren,
>könnten wir mit einem Bruchteil des Aufwandes, den wir heute
in das
>herumwursteln an einer längst ausgereizten Uralt-Technologie
>investieren, die Grundlagen für eine Technologie legen, die
auch
>interstellare Raumflüge wirklich sinnvoll werden lassen
könnte.

…. dann hast Du mir in der Vergangenheit Unsinn erzählt! Du
sagtest mir, daß 10 hoch 18 Tesla an Feldstärke notwendig
wären, um ein ausreichendes Antigravitationsfeld zu erzeugen.
Wieviel Tera-Watt bräuchtest Du bitte für ein solches
Magnetfeld? Reicht das Äquivalent aller Atomwaffen, die sich zur
Zeit in Einsatzbereitschaft auf der Erde befinden dafür aus?
>Das läßt natürlich die Frage offen, ob
“Andere” nicht auch schon auf
>diese Idee gekommen sind…

Danke! Damit wirfst Du uns, die versuchen reale Raumfahrt für
heute und morgen zu betreiben in einen Topf mit jenen Spinnern, die in
jedem Reflex auf einem überbelichteten Foto ein UFO zu erkennen
glauben.
Wir haben gigantische Möglichkeiten mit der gegenwärtigen
Technologie
innerhalb unserers Sonnensystems und besonders im Hinblick auf Mond und
Mars. Laß uns die Chancen nutzen und nicht auf eine spekulierte
Zukunft warten.
Viele Grüße und nichts für Ungut
Raimund

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