Re: Orion, Nerva und Nuklearantrieb., - NASA will mit “Orion” zum Mond reisen
Juli 10th 2008 @ 6:02 am Allgemein

reisengab es doch mal ein Konzept, dass Raumschiffe im All durch exakt
> getimmtes Zünden von kleinen Atombomben beschleunigt werden kann.
> Auch Steven Baxter hat dieses Konzept mal in einem Roman verwendet,
> da es kostengünstiger sei, Grossraumschiffe zu beschleunigen, als die
> Verwendung von Ionenantrieben oder weiss ich was alles.
Bei echten Großraumschiffen (die 100 000 000 Tonnen und mehr wiegen,
im Gegensatz zu den 100 Tonnen des Space Shuttle, des schwersten
derzeitigen “Raumschiffs” mit nennenswertem Antrieb) mag die Idee mit
den Atombomben tatsächlich anwendbar sein. “Billig” ist das auf
keinen Fall, auch die kleinsten Atombomben (wie die W54, siehe
google) benötigen einige Kilo Plutonium, was ein sauteures Material
ist. Dabei explodiert jeweils nur ein kleiner Teil des Plutoniums,
und wiederum ein Teil davon dürfte auf der “Prallplatte” des
Raumschiffes kondensieren, die den Impuls von der Bombe auf das
Raumschiff überträgt. Irgendwann könnten sich dort dann sogar
kritische Massen bilden und die Prallplatte selber explodieren… Ist
also noch nicht einmal eine einfache Technik.
Ionen-Antriebe sind inzwischen hingegen erfolgreich erprobt. Die ESA
ist jüngst mit einem Ionenantrieb vom Erdorbit (das elliptisch und
zwischen 200 und 36 000 km hoch war) bis zum Mond geflogen (der ca.
380 000 km von der Erde weg ist, also zehnmal weiter, als das Orbit,
in dem der Satellit ausgesetzt wurde). Trotz des gewaltigen Weges
hatte der ESA-Satellit lediglich 49 Liter (!) komprimiertes Xenon als
Treibstoff dabei. Hätte man das einfach ausströmen lassen (wie aus
einer Gasflasche), hätte es einen kleinen Ruckler am Satelliten
gegeben, der das Orbit kaum ändert. Das Ionentiebwerk beschleunigte
dann das Xenon derartig stark, dass es bis zum Mond reichte.
Allerdings dauerte die Reise ca. ein Jahr - das Ionentriebwerk
braucht viel Strom, und den konnten die Solarpanele nur binnen so
langer Zeit erzeugen.
Aus den genannten Gründen sind Ionen-Triebwerke deswegen eher
unbeliebt, wenn es um große Geschwindigkeitsänderungen geht. Dort, wo
die Bahn eines Satelliten immer wieder ein kleines bisschen
korrigiert werden muss, sind Ionentriebwerke inzwischen immer
häufiger im Einsatz. Dieses betrifft beispielsweise geostationäre
Satelliten (z.B. Fernsehsatelliten), die möglichst genau an einem
Punkt über der Erdoberfläche “stehen” sollen.
Jag

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